Nationalratswahl 2008 - Hochrechnungen usw.
Hat schon jemand von Entschleunigung gehört? Heute ist offenbar der falsche Tag dafür. Die Erste (Danke NEUWAL für den Link!) veröffentlichte um 15.00 Uhr mit dem Hinweis "Sperrfrist beachten" (ohne Zeitangabe) auf ihrer Website eine Presseaussendung der APA mit einem Ergebnis der heutigen NR-Wahl, durchgerechnet bis zur Mandatsverteilung im Nationalrat. Man denkt an einen jugendlichen Liebhaber ...
Gewiss, ein großer Teil der WählerInnen haben im Wahllokal gewählt und sicher ist es interessant, das Ergebnis der Stimmenzählung von heute zu kennen. Allerdings teilt das Innenministerium mit, dass für diese Wahl 586.759 Wahlkarten ausgegeben wurden, das sind fast 10% der Wahlberechtigten. WahlkartenwählerInnen wählen - wie man weiß - anders als WählerInnen im Wahllokal. Zur Erinnerung das Ergebnis der Wahlkarten bei den NR-Wahlen 2006:

Update 6.10.2008. Wahlkartenwähler 2008:
Britischer Parlamentarismus
Message to Ireland
Die Diskussion über den Lissabon Vertrag in Irland hat dort sehr intensiv auch im Web 2.0 stattgefunden. Interessanterweise haben auch einige Nicht-Iren Videobotschaften an irische ZuseherInnen gerichtet - ich zuletzt auch! (siehe Video, Standard-Kommentar und auch www.mitgestalten.eu).
Dear Irish EU-sceptics,
i have been following your debate about the Lisbon Treaty on the internet and as an Austrian I envy you the intensive exchange of information and opinions concerning the European Union even though I regret deeply the outcome of the referendum of June 12th.
Two points are being mixed up in this debate: The first point is the performance of our governments and the European institutions. Are they aware of the needs of ordinary people? Do they have the right judgement of the problems of our societies? Do they find good solutions for our future and - last not least - are they determined to decide for the common good when facing pressure from big companies?
Efgani Dönmez - unkonventionell, undogmatisch, offen
Leider steht der Podcast nicht mehr zur Verfügung!
Interne Kommunikation am Beispiel Obama
Obama im Gespräch mit seinen Leuten. Ein interessanter rhetorischer Kunstgriff in seiner Rede fällt mir besonders auf. Er meint, hätten wir Iowa nicht gewonnen, dann wär´s auch OK. Ein anderer wäre demokratischer Kandidat(in) geworden, wir hätten uns angeschlossen, Amerika würde auch mit diesem anderen Kandidaten in eine bessere Richtung gehen. Es wär OK. Aber weil wir gewonnen haben, haben wir keine Wahl. Wir müssen auch die Wahl im Herbst gewinnen. Wir müssen die Versprechen erfüllen, die wir den Leuten gemacht haben, die wir in unserer Kampagne getroffen haben.
Er baut die Rede sehr locker auf und hat trotzdem einen Faden drin, der sehr stark "zieht" und das Engagement seines Staffs fordert. Beeindruckend.
Glühwürmchen - Zeichen der Hoffnung
Ein gutes Gefühl und ein Zeichen der Hoffnung. Pasolini hat vor einem halben Jahrhundert das Verschwinden der Glühwürmchen als Symbol für die Destruktivität der Konsumgesellschaft beschrieben.
Bleibt uns vielleicht doch genug Zeit, unsere Lebensweise naturgerecht zu gestalten?
Update 23/6/2008: Auf einem Sommerfest werd ich aufgeklärt: Das Leuchten ist gewissermaßen ein Brunftverhalten. Nach der Paarung besteht dafür kein Bedarf mehr.
Bemerkenswertes London
London ist stolz. Der direkt gewählte Bürgermeister hat europaweit die drittgrößte Wählerschaft hinter sich. Anders gesprochen: Kein/e direktgewählte/r PolitikerIn in Europa wird von mehr Menschen gewählt als der Londoner Bürgermeister - mit Ausnahme des französischen und des portugiesischen Präsidenten. 5,419.913 Wahlberechtigte hatten Gelegenheit, zwischen Boris Johnson (Conservative Party), Ken Livingstone (The Labour Party), Brian Paddick (Liberal Democrats), Siân Berry (Green Party), Richard Barnbrook (British National Party), Alan Craig (Christian Peoples Alliance and Christian Party), Gerard Batten (UK Independence Party), Lindsey German (Left List), Matt O'Connor (English Democrats) und
Winston McKenzie (Independent) zu wählen.
Dir gehört ein Stück dieser Kampagne
es ist schwer gegen eine bewegung zu kämpfen, dieser satz eines "pundits" (experten) zum laufenden wahlkampf in den us ist mir heute beim lesen des neuen newsletters von barack obama im ohr. zum teil reißt herr obama sein publikum wirklich mit, zum teil inszeniert er seinen wahlkampf sehr bewusst als grassroot-bewegung, die er letztlich doch recht gezielt von oben steuert.
"Early this morning, we reached one million people owning a piece of this campaign." obama hat von einer million menschen wahlspenden erhalten. "dir gehört ein stück dieser kampagne", das ist auch ein deutlicher gegensatz zu dem, was den amerikanerInnen zunehmend auf den wecker geht, dass nämlich die großen konzerne wie eigentümer der regierung erscheinen - bzw. agieren. meine kampagne gehört euch, die ihr gespendet habt - und ihr seid jetzt eine million, sagt obama.
in wenigen tagen sind die zwei entscheidende vorwahlen in texas und ohio. die letzten tage vor der wahl firmieren unter dem kürzel GOTV: get out the vote. das heißt, leute abklappern, anrufen, mobilisieren. abgesehen davon, dass obama-anhänger aus ganz america gebeten werden, nach texas zu kommen und persönlich wählerInnen zu mobilisieren, fordert die obama-campaign leute auf, den telefonhörer in die hand zu nehmen und wählerInnen anzurufen. ein call-center mit einer million angestellten ...
zur gezielten steuerung der grassroots gibt es die geschichte von joe anthony, der über mehrere jahre ein myspace-profil für barack obama (myspace.com/barackobama) aufbaute, "friends" sammelte, später dann mit der obama-kampagne kooperierte und sich schließlich aber mit obama (obama´s leuten) zerstritt. endergebnis: obama machte das recht auf seinen namen geltend und joe anthony war weg vom fenster. die geschichte hat viele seiten:

